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Münster: Studenten stürmen das Schloss ("Westfälische Nachrichten" vom 18.01.2007)

18. Januar 2007, 08:00 in Presse-Echo

Münster. Zehn! Neun! Acht! Da mochten sich die rund 20 Mitarbeiter der privaten, vom Rektorat engagierten Sicherheitsfirma noch so gegen die anrollende Übermacht stemmen: Bei Null durchbrachen im Schloss Hunderte von Studierenden die hilflose Blockade an der Treppe zum Senatssaal Anfang vom Ende der Sitzung, bei der gestern Nachmittag der Uni-Senat über die Einführung von Studiengebühren debattieren und entscheiden sollte.

Das Gremium ist nicht beschlussfähig, wie Senatsvorsitzender Prof. Dr. Janbernd Oebbecke irgendwann feststellt. Er ist das einzige Mitglied aus der Gruppe der Professoren im Senat, das mit 40 Minuten Verspätung den mit Demonstranten überfüllten Saal betritt. Nur 11 der 23 Senatoren sind anwesend der Versuch Studiengebühren einzuführen, ist gescheitert fürs erste. Jetzt müssen wir über andere Sitzungsformate nachdenken, seufzt Universitätskanzlerin Dr. Bettina Böhm in einem Seitenflur des Schlosses, wo inzwischen Polizisten die Wege abriegeln. Vor Publikum in einem großen Hörsaal war der erste Versuch im Sommersemester im Tumult untergegangen, gestern dasselbe im Senatssaal.

Ob an der Uni Münster nun wie an anderen Hochschulen der Senatsbeschluss an einem geheimen Ort hinter verschlossenen Türen fallen soll, darüber will kurz nach Auflösung der Sitzung von der Universitätsleitung niemand spekulieren.

Vorher haben sich nach Polizeiangaben rund 1000 Studierende auf dem Schlossplatz zum friedlichen Protest getroffen. Heute gehts hier um die Wurst, sagt Geschichtsstudent Stephan Quick, während AStA-Referent Kurt Stiegler vom Podium herunter wettert, Uni-Rektorin Ursula Nelles habe die Studenten verschaukelt.

Das ist noch freundlich im Vergleich zu den wütenden Sprechchören später im Senatssaal. Feige, feige, skandieren die Studierenden, als die Rektorin 30 Minuten nach dem anberaumten Sitzungsbeginn immer noch nicht im Saal erscheint. Zu diesem Zeitpunkt ist auf dem Schlossplatz schon ein gutes Dutzend Polizeibullis mit Besatzung vorgefahren Helme und Schilde im Kofferraum.

Wer jetzt unberechtigt im Senatssaal ist, hat sich des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht, denn der Zugang zur Sitzung war von vornherein eingeschränkt. Doch nichts passiert als die Sitzung aufgelöst ist, räumen auch die Studenten dass Schloss.

Keine böse Absicht war es, dass außer dem Vorsitzenden die komplette Gruppe der Professoren aus dem Senat nicht erschien, beteuert hinterher draußen ein Senator mit Professorentitel. Nach der vor der Sitzung stattfindenden Besprechung habe die Menschenmenge vor dem Schloss verhindert, dass die Professoren hineingekommen seien.

Schade, kommentiert der Mann. Die Chance, dass der Senat mit einem Nein zu de Gebühren das Thema endgültig ad acta gelegt hätte, sei jetzt vertan. Denn: Die Meinungen in unserer Fraktion waren sehr gemischt. Laut Senatsgeschäftsordnung kann der Vorsitzende nun zu einer außerordentlichen Sitzung mit derselben Tagesordnung an einem der nächsten vier Werktage aufrufen. Ob das geschieht, blieb gestern Abend noch offen.

Quelle: Westline.de

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  1. Gerade ist bekannt geworden, dass es eine Sondersitzung geben soll. Der Senat will sich auf THW-Überungsgelände verschanzen! Samstag, 20. Januar um 8 Uhr Gebäude auf dem Übungsgelände des Technischen Hilfswerkes, Kötterstrasse, 48157 Münster-Handorf


    Nelles    18 Januar 2007, 21:38    #

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