Bielefeld: Rektoratsbesetzung geht weiter (Indymedia)
Anzahl der BesetzerInnen wächst weiter: Mehrere Hundert
Erste Reaktionen des Rektorats: Gewohnt antidemokratisch
Solidarität übertrifft alle Erwartungen: Auch von ungewohnter Seite
Forderungen sind keine Seifenblasen: Kein Ende in Sicht
QUANTITATIVE UND QUALITATIVE ENTWICKLUNG
Die seit Mittwoch andauernde Besetzung des Rektorats der Universität Bielefeld geht munter in Tag 4.
Bis Freitag sind erneut etliche Studierende und weitere Hochschulangehörige zu den BesetzerInnen gestoßen, zudem haben sich mehrere Dutzend SchülerInnen des benachbarten Oberstufenkollegs der Aktion angeschlossen. Mittlerweile beteiligen sich um die 400 Menschen aktiv; nachts sind mindestens 50, tagsüber weit mehr als 100 Personen ständig anwesend.
In unzähligen Arbeits- und Aktionsgruppen wird der weitere Widerstand ausgearbeitet, weit über die Besetzung hinaus. Auch inhaltlich ist längst nicht mehr “nur” von Studiengebühren die Rede, sondern es werden die Zusammenhänge der verschiedenen sozialen Kämpfe thematisiert. Eine Spaltung der verschiedenen gesellschaftlichen Interessensgruppen ist hier kein Thema.
REKTORAT BLEIBT BEI SEINEM UNDEMOKRATISCHEN KURS
Nach einem langen Tag des Verharrens ist das Rektorat der Uni Bielefeld nun in die Gegenoffensive gegangen. Mit vorgeblichen “Gesprächsangeboten” versuchen sie, ihren Frieden wiederherzustellen, während die unsozialen Pläne weiterhin propagiert werden.
Es ist bezeichnend, dass die BesetzerInnen von einem “Gesprächswillen” des Rektorats vornehmlich aus den Medien erfahren, in denen sich der angeschlagene Rektor nun plötzlich als offener Dialogpartner präsentieren will. Dabei hat das Rektorat in tatsächlichen Gesprächen mit VertreterInnen des AStA bereits betont, keinesfalls und keinen Millimeter von seinen Standpunkten abzuweichen.
Zeitgleich bleibt das Rektorat bei seinem undemokratischen Kurs und instrumentalisiert wieder mal die lokalen Medien. Bisheriger Höhepunkt waren ein Bildbericht sowie ein “Kommentar” in der WDR-Lokalzeit von Freitag, in dem die BesetzerInnen als “wirklichkeitsfremde” Spinner diffamiert wurden. Erstaunlicherweise entsprach der “Kommentar” des WDR-Redakteurs in weiten Teilen im Wortlaut dem, was Vertreter des Rektorats 24 Stunden zuvor gegenüber AStA-Mitgliedern kundgetan hatten…
SOLIDARITÄT AUCH VON UNGEWOHNTER SEITE
Neben zahlreichen Gruß- und Solidaritätsadressen aus allen Teilen und Schichten des Landes äußern sich auch DozentInnen und MitarbeiterInnen der Hochschulverwaltung zunehmend offen positiv zu der Rektoratsbesetzung. Die zuständigen Stellen weigern sich, an einer Beendung der Besetzung mitzuwirken und für das Verhalten des Rektorats in die Bresche zu springen. Sogar der Sicherheitsdienst der Universität verweigert stellenweise den Gehorsam, hält sich aus den besetzten Räumen fern und drückt hier und da bei Aktionen in der Uni ein Auge zu.
BEREITSCHAFT ZUM DURCHHALTEN
Auch wenn das Plenum der BesetzerInnen noch keine endgültige Entscheidung getroffen hat: Die einzelnen AktivistInnen lassen eindeutig durchklingen, dass sie sich weder einschläfern noch einlullen lassen. Solange die Forderungen – Rücktritt des Rektorats, Demokratisierung der Hochschule, Nein zu Studiengebühren – nicht erfüllt werden, wird die Besetzung des Rektorats nicht beendet.
Zu Wochenbeginn und spätestens mit Beginn der Semesterferien ist mit weiterem Zulauf aus der Studierendenschaft zu rechnen. Parallel dazu sind es die kleinen Aktionen am Rande und der ungewohnte Geist der Freiheit, die immer wieder den Ansporn zum Weitermachen liefern.
Vorausschauende Stimmen warnen vor einer Abspeisung des Widerstandes mit scheinbaren Zugeständnissen – oder einer Spaltung je nach Intensität der jeweiligen Aktionsform. Diese Bedenken werden unter den BesetzerInnen offen thematisiert und bisher weitgehend entkräftet.
PERSPEKTIVE
Bisher übt sich das Rektorat zur Besetzung in gespielter Toleranz – und hofft, dass die Proteste abklingen und verstummen werden, wenn Spaltung und Eingelulle auf anderer Ebene gelungen sind.
Zur Zeit läßt der Rektor durch die Medien verlauten, dass er mit einem Ende der Aktion am Montag rechnet. Diesen Gefallen werden die BesetzerInnen ihm sicher nicht tun – warum auch?
Ob das Rektorat seinen Kurs verschärft – am Ende vielleicht sogar eine gewaltsame Räumung veranlaßt – wird sich ab dann zeigen. Etliche BesetzerInnen – und AktivistInnen, die sich hier bisher Kräfte schonend im Hintergrund halten – haben bereits angekündigt, es darauf ankommen zu lassen und die antidemokratische, extrem gewaltbereite Haltung des Rektorats einmal mehr deutlich zu machen.
Sollten hingegen Forderungen der BesetzerInnen tatsächlich erfüllt werden, wäre das ein erster kleiner Erfolg im Kampf gegen Studiengebühren – und eine Verlagerung der Aktionen hin zu den weiteren Verantwortlichen wäre denkbar.
Quelle: Indymedia 04.02.2006 15:23

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Im letzten Absatz ist die Rede von der “extrem gewaltbereiten Haltung des Rektorats”.
Wir als Besetzer wissen in diesem Zusammenhang nicht, wovon der Indymedia-Autor hier phantasiert. Bisher war das Rektorat nicht gewaltsam aktiv.
Um die Presse-Schau nicht zu verfälschen, lassen wir den Artikel so drin wie er ist.
— Fabian 6 Februar 2006, 18:29 #
das rektorat will alle aus der uni schmeißen, die nicht zahlen können oder wollen. usw. usw. schon vergessen, warum ihr ursprünglich ins rektorat mitgekommen seid??
— - 8 Februar 2006, 18:53 #