Rettet die Bildung! (Uni-Bielefeld)

Die "Bildungs-RetterInnen" kämpfen für eine freie Lebensgestaltung und ein freies Studium für alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft oder Hautfarbe, ihrem Geschlecht und ihrer sexuellen Orientierung.

Besetzungs-Zeitung aus dem Rektorat

6. Februar 2006, 23:00 in Materialien

Hier könnt Ihr unsere Besetzungs-Zeitung herunterladen, falls Ihr sie nicht schon in der Mensa mitgenommen habt!

Besetzung-Zeitung aus dem Rektorat

  1. Hallo Besetzer
    Als Mittwoch nach der Sitzung einige ins Rektorat verschwunden sind, bin ich von einem kurzen Aufschreib ausgegangen, der sich in den nächsten paar Stunden wieder gelegt hätte. Dass es bis heute andauern würde hätte ich nicht gedacht. Respekt vor eurem Elan, Ideenreichtum , eurer Ausdauer und dem Idealismus, auf so unkonventionellem Weg etwas erreichen zu können.
    Vorweg gesagt ich fände es angenehmer, wenn keine Studiengebühren kämen. Aber ich wäre damit einverstanden, wenn das Geld an die Uni gehen würde.
    Soweit dazu, nun zur Kritik. Erstens werft ihr Timmermann vor, über die Köpfe der Studis weg, anstatt mit ihnen zu entscheiden. Klar wieviele Studis stehen hinter dem Rektor…? Aber Gegenfrage: Wieviele Leute stehen hinter dem AStA?... 100, 200? Es kann doch nicht von einer Vertretung aller Studenten die Rede sein, wenn 200 von 17.500 vorgeben, sich für die vermeintlichen Interessen aller Studenten einsetzen, sondern primär für ihre eigenen. Also ich für meinen Teil sehe mich weder vom Rektorat noch vom Asta vertreten. Ich denke die Zeiten haben sich nun mal so stark verändert, dass wir weit davon entfernt sind eine politisch engagierte und uns zusammen gehörende Studentengemeinschaft zu bilden. Realistisch betrachtet sind doch die meisten von uns heute schon Einzelkämpfer, die sich auf den späteren Lebenskampf vorbereiten. Da geht es doch an der Wirklichkeit vorbei sich als Gruppe zu fühlen, die füreinander steht und sich füreinander einsetzt, wenn dieser Traum mit Abschluss des Studiums sofort endet. Sicherlich ist dies erstrebenswert, doch die meisten kommen nun mal aus wohlhabenderen Elternhäusern und sind mit dem Kapitalismus in angenehmer Weise groß geworden!
    Zweitens ist es ebenso ignorant wie weltfremd Reliquien aus Timmermanns Rektorat zu fotografieren und zu veröffentlichen, als wäre es abwegig, dass ein Rektor ein Bouleset, Meissener-Porzellan oder ein Buch, welches von einer Professorin seiner Uni (http://www.jura.uni-bielefeld.de/Lehrstuehle/Bannenberg/index.html)über Korruption, geschrieben wurde, bei sich stehen hat. Im Vergleich zu Rektoraten anderer Universitäten ist das eine spärliche Ausstattung. Ich habe den Eindruck hier sollte mit aller Macht etwas gezeigt werden, das Timmermann in ein elitäres Licht stellt. Doch ich muss sagen ich finde es eher sympathisch, dass ein Rektor Boule spielt, Veröffentlichungen seiner Kollegschaft bei sich stehen hat oder eine niedliche Maus, die ihm übergeben wurde, als er Rektor wurde!
    Drittens finde ich solltet ihr eine Diskussion auch über das Internet führen und nicht darauf verweisen, dass man ja ins Rektorat kommen könne um zu diskutieren. Das werden wohl die wenigsten tun. Da ist das Internet wesentlich einfacher und studentenfreundlicher!
    Besser als gar keinen Kontakt zu den Studenten…als allgemeiner Studentenausschuss – oder??


    — Markus    7 Februar 2006, 10:33    #
  2. @Markus:
    Nun, du sagst da schon etwas sehr richtiges:
    Wer gibt dem Rektorat, den SenatorInnen oder dem AStA das Recht, uns zu vertreten? Das ist doch ein zentrales Problem repraesentativer Demokratie, die mehr ein auf Lobby- und pressure group ausgerichteter Betrieb ist, da diese Gruppen wiederum die Personen in die Aemter waehlen oder sie anderweitig stuetzen. Da fallen aber Minderheitenmeinungen und interessen unter den Tisch, weil es schlichtweg um Mehrheitsbeschaffung geht in den sogenannten demokratischen Gremien.

    Hier muss es eine klare Kritik geben, und diese muss auch offensiv gefuehrt werden. Wer sich herausnimmt, fuer andere zu sprechen und ueber deren Koepfe zu entscheiden, muss dort angegriffen werden und soll sich rechtfertigen. Da hilft kein Verweis auf Gesetze oder Ordnungen, denn diese sind menschengemacht, also das Resultat sozialer Prozesse und koennen jederzeit veraendert werden. Nur ist dies durch die Infragestellung des status quo verbunden, und es gibt Personen, die diesen status quo verteidigen werden. Und dann ist es doch die wichtigere Frage:
    WARUM verteidigen sie das System, welche Interessen leiten sie?

    Also, lasst uns den Anlass nutzen und diese Fragen stellen und fuer unsere Vorstellungen kaempfen, ob mit oder gegeneinander. Denn die Wahrheit hat keineR gepachtet ;-)

    Lasst uns den Normalzustand aufloesen und hinterfragen.


    — Stefan    7 Februar 2006, 11:36    #
  3. Was ist denn der Normalzustand, der aufgelöst werden soll? Dass gewählte Gremien für die Masse entscheiden und statt dessen jeder seine eigenen Meinungen vertritt…Chaos? Die Diskussion um Studiengebühren (um die es ja nach wie vor geht, abgesehen davon, dass das System ausgehebelt werden soll) kann doch nur konstrkutiv geführt werden, wenn es nicht nur ein NEIN dazu gibt, sondern ein STATT DESSEN! Wie soll denn die Wissenschaft finanziert werden, wenn es kein Geld gibt sondern ein Minus in Höhe von 1.472.691.023.260€!!!


    — Markus    7 Februar 2006, 12:23    #
  4. so kannst du nicht argumentieren. wenn du den schuldenberg als argument siehst, dann sind auch rüstungsausgaben etc. nicht zu tätigen. außerdem möchte ich mal einen gedanken anregen: dort wo schulden sind, gibt es auch immer ein äquivalent an vermögen. das jedoch liegt zu großen teilen auf den konten der konzerne und der wohlhabenden.

    wir sollten die macht- und eigentumsverhältnisse hinterfragen, die ursächlich u.a. für die praktizierte hochschulpolitik sind!!!


    — ?    7 Februar 2006, 12:34    #
  5. Hallo, nach wie vor finde ich euren Protest gut. Seid vorsichtig, dass ihr euch nicht zerfleischt, gebt jedem was zu essen. Warum ihr euch von den Plakaten distanziert kann ich nur bedingt nachvollziehen….

    “Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch?”
    F.Kafka

    Oder:

    “Wenn der Protest den wir festieren, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu protestieren wir dann?”

    Macht nicht einen Protest gegen Fehler des Regierendensystems, indem ihr diesem Protest einen Workshop, also einen dem System entsprechenden Charakter verleit.

    Protest ist gut, gerechtfertigt, legitimiert also auch nicht harmlos oder demokratisch (zumindest nicht nach aussen)!


    — RektoratAbsetzenFreiheit - RAF    7 Februar 2006, 12:57    #
  6. Allen “Besetztern” meinen Respekt!

    “Besetzer” ist mittlerweile auch ein Wort, das negativ belegt worden ist und auf eine Kriminalisierung zielt. Sorgfältig ist es von den Medien mit Emotionen verbunden worden, die beim “gemeinen Michel” sofort auch (s)eine Meinung BILDet. Vielleicht findet ihr selbst ein besseres Wort.

    Ich sag’s nur ungern: aber die Entscheidung ist längst gefallen, die Weichen gestellt: die Gebühren werden kommen. So oder so. Ich nehme an, dutzende, namenlose Leute arbeiten fieberhaft daran, den Protest ohne Eskalation leise zu Boden gehen zu lassen. Dieses “ohne Eskalation” kann ich noch begrüssen, jedoch das “zu Boden gehen lassen” als eine ur-deutsche Eigenart nicht. Leider lehrt die Geschichte, daß man “Dinge aussitzen kann” oder mittels austauschbarer demokratischer Modelle (z.B. “Demokratischer Zentralismus”) zu Tode planen, reden, debattieren oder auch administrieren kann.

    Deswegen ist nicht einmal der Ausgang wichtig. Entscheidend ist

    1.)
    das Anliegen . Und das ist ohne jeden Zweifel gut, da es dem einfachen Grundsatz “gleiche Bildungschancen für alle” Rechnung trägt.

    2.)
    dass ihr es tut.

    3.)
    dass ihr es nicht um jeden Preis tut!

    Ihr werdet so wie wir alle mit diesem oder einem anderen “System” leben müssen. Jedes neue “System” wird bessere adaptive Fähigkeiten haben als das jetzige. Nicht aus irgend einer imaginären Quelle heraus, sondern einzig und allein aus der Summe individueller Vorteilsnahmen einer zunehmenden Zahl Einzelner.
    Ob es gelingt ein breites solidarisches Empfinden zu entwickeln? Wohl eher nicht, beinahe alle Idealisten sind daran schon gescheitert.

    Aber es muss immer wieder versucht werden!

    Also: lasst euch nicht ausnutzen, lasst euch nicht provozieren und lasst euch vor allem nicht ins Abseits drängen. Ihr seid der wichtigste Teil des Systems, der positive Antrieb. Der muss ERHALTEN bleiben.

    Trotzdem:
    wünsche ich euch, dass ihr Erfolg habt! Jetzt!


    — Ruth    8 Februar 2006, 21:07    #
  7. Ich sehe viele Bilder von denen,gegen welche ihr zu “kämpfen” versucht. Wo sind eigentlich eure?
    Angst?!
    Kommt, zeigt Eier und veröffentlicht jedes einzelne Portrait von jedem Mifglied der “Besetzer” im Web!!!


    — Olli    18 Februar 2006, 18:06    #

Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.

zurück:
weiter:

 

Diese Seite ist aus der ehemaligen Rektorats-Besetzung hervorgegangen und hat keinen inhaltlichen Bezug zum Oberstufen-Kolleg oder der dortigen Schülerzeitung "Kollima".
Die Adresse "besetzung.kollima.de" ergibt sich aus rein technischen Gründen.