Reaktion auf Gesprächsangebot
Die BesetzerInnen des Rektorats der Universität Bielefeld begrüßen ein Gespräch mit dem Rektorat, halten die damit verbundenen Auflagen des Rektorates jedoch für inakzeptabel.
Das Rektorat beharrt ohne Angabe von Gründen auf einem nichtöffentlichen Gespräch. Zudem lehnt es jedwede Verhandlung über die, von den Studierenden gestellten Forderungen nach Gebührenfreiheit, einer Demokratisierung der Hochschule und Rücknahme des Gesetzentwurfes für das Hochschulfreiheitsgesetz grundsätzlich ab.
Somit ist die vom Rektorat geäußerte Gesprächsbereitschaft als substanzloses Scheinangebot zu bewerten. Das Rektorat macht sich und die selbsterklärte Gesprächsbereitschaft unglaubwürdig.
Bei einem Gespräch bei dem es um inhaltliche Fragen geht, die mehr als 17.000 Studierende betreffen, darf die Öffentlichkeit nicht ausgeschlossen werden. „Es ist absolut unverständlich, warum das Rektorat sich hartnäckig gegen eine schriftliche Darstellung der Gesprächsergebnisse wehrt“, meint Nikolai Baron.
Ebenso verweigert das Rektorat eine schriftliche Stellungnahme auf die bereits am 07.02.2006 veröffentlichte Resolution der BesetzerInnen und eine einmalige Nutzung des Emailverteilers der Universität. Auch eine Veröffentlichung der Resolution auf der Startseite der universitätseigenen Homepage wird abgelehnt. „Wir sehen leider kein Interesse an einer ernsthaften und ehrlichen Auseinandersetzung mit unseren Forderungen“, erklärt Christa Stemme, Studierende der Uni Bielefeld.
Das Rektorat der Universität Bielefeld ist seit dem 01.02.2006 von Studierenden aller Fakultäten besetzt.

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Findet das Gespräch also nicht statt oder wie ist die Mitteilung zu verstehen?
— Jan Frederik 12 Februar 2006, 20:12 #
Ich kann dem Beitrag nur zustimmen. Für mich ist auch nicht klar ob ein Gespräch überhauptnicht statt findet, oder nur jetzt nicht, unter den vom Rektoat gesetzten Bedingungen.
— Mathis 13 Februar 2006, 11:48 #
Ich finde die Vorderung nach einem öffentlichen Gespräch sehr gut und absolut notwendig, aber wäre es nicht sinnvoll für den Gespräch nur die Studiengebüren zum Thema zu erklären?? die anderen Themen werden doch sowieso in dem Zusammenhang zwangslaufig zur Sprache kommen! So wäre die Chancen für eine Gesprächsbereitschaft meiner Meinung nach sehr viel größer. Und überhaupt wenn der Rektorat nicht über die Themen Gebühren, Demokratisierung und Rücknahme des Enwurfes reden will worüber wollen sie dann bitte mit den Studenten reden???? über die Verteilung des Geldes oder was?
— Lisa 13 Februar 2006, 12:21 #
Tschuldigung soll natürlich Forderung heißen ;-)
— Lisa 13 Februar 2006, 12:59 #
Sie hiessen BDI, CHE, CDU, und SPD. Sie wollten wieder eine angepasste Jugend. Voller Fleiss, Konformismus, Strebsamkeit. Patriotisch, religiös, leistungsbereit, dünkelhaft, neobürgerlich. Ohne Interesse an “Demokratisierung”, “Gerechtigkeit” und all den anderen “alten Zöpfen” aus der “68er”-”Mottenkiste”.
All die Politiker, für die selbst ein gebührenfreies Langzeitstudium damals gerade recht und billig war, vereint mit all den tapferen Streitern für eine “geistig-moralische Wende” und “Sekundärtugenden” wie Schleimerei, Nachobenbuckelnnachuntentreten, MansprichtnichtmitvollemMund, DraussennurKännchen –
sie wollten nun 100 kleine Elite-Harvards blühen sehen. Alle rannten sie ihrer neuen Mode hinterher. Jeder hängte sein Fähnchen in den frischen Wind des Marktes und freute sich, wie schön das flattert. Es gefiel ihnen, die Gesellschaft nach ihrem Gusto umzubauen. Man fühlte sich plötzlich wieder richtig – “jung”! Verzückt steigerten sie sich in einen Rausch, und liessen ihre Lautsprecher in FAZ und WELT und taz den Widerspruch übertönen und Fakten schaffen. “Die Studenten sind gegen Gebühren? Wir werden die Umfragen fälschen.” “Studenten protestieren? Dann berichten wir einfach nicht darüber.” “Die Studenten stellen Forderungen? Wir werden sie ignorieren.” “Sie hören nicht auf? Wir werden sie als Krawallmacher hinstellen.”
Ihr Mantra war:
“Die Mehrheit ist nicht mehr politisch interessiert, sucht nur das kleine Glück, ein paar Krümel vom Kuchen, ein paar Gebete zu Gott, ein bischen Macht, ein bischen Geld, einen schickeren Anzug…”
Ihre Trendforscher hatten es ihnen schliesslich gesagt.
Es gab überhaupt keinen Grund, über “Demokratisierung” und dergleichen Unsinn zu sprechen, schon garnicht mit diesen Nichtsnutzen, die keinen Jota beitragen hatten zur “Exzellenzdebatte”. Aussitzen war die Strategie: Sie würden schon irgendwann von alleine verschwinden, mit ihrer “Demokratie”, ihrer Romantik, ihrem naiven Willen zu einer Gerechtigkeit, die einfach nicht mehr in diese Zeit passte; und dann würde alles seinen gewohnten Gang gehen.
— Herr Ober, zahlen bitte 13 Februar 2006, 13:57 #
“Militanter Widerstand an der Uni Bielefeld”
Indymedia-Artikel: http://de.indymedia.org/2006/02/138826.shtml
Buttersäure- und Farbanschlag u.a. auf Timmermanns Büro
Bekenner_innenschreiben:

— Lea 13 Februar 2006, 15:23 #
also ich persönlich begrüße, dass der widerstand militanter und damit wahrnehmbarer wird. also weiter so!!!
— ? 13 Februar 2006, 17:29 #
militanter? Wir wollen was erreichen und nichts verschlagen!!!
— Jonny 13 Februar 2006, 20:37 #
Buttersäure??? Was soll denn bitteschön das? Diese Menschen glauben doch wohl nicht ernsthaft, dass sie damit zu einer konstruktiven Diskussion beitragen können… Kein Wunder, wenn sich das Rektorat nach solchen Vorfällen weiter unkooperativ zeigt!! Ich glaube kaum, dass solche Aktionen von den viel beschworenen 17.000 Studierenden mitgetragen werden.
— Mona 13 Februar 2006, 21:43 #
missverständnis!
ich glaube da spricht niemand im namen der 17000, sondern im eigenen namen.
trotzdem bin ich mir sicher, dass da auch andere nicht beteiligte hinter stehen.
jetzt also bloss nicht wieder sone spaltung in die braven und die bösen protestierenden starten.
— aufgepasst 13 Februar 2006, 21:57 #
Ich kann dem letzten Redner nur zustimmen und auch jonny. Wir haben uns von dem gewaltsamen Weg abgewand. Ob das nun schlecht oder gut ist lassen wir dahin gestellt. Ich persönlich möchte eine Diskussion in der Öffentlichkeit erreichen und keine “Propaganda der Tat” betreiben.
— Martin 13 Februar 2006, 22:29 #
Es wird zwar wieder einen Aufschrei geben, dass solche Aktionen “menschenverachtend” seien. Aber dennoch: Danke!
Wer sich auf die Argumentation im Flugi einlässt und die Lage der angesprochenen tatsächlich Betroffenen bewusst macht, sieht ein, dass diese Form der Militanz angemessen ist, solange der alte Anti-AKW-Konsens gilt: Keine Gefährdung der Gesundheit oder des Lebens anderer.
Und das wurde bei diesem Angriff auf unbesetzte Büros selbstverständlich eingehalten.
Ich unterstütze diese Vorgehen, da Verhandlungen auf Augenhöhe mit Mächtigen (und das sind Rektorat und Professur für uns nunmal) nicht möglich und damit ein Erfolg für uns aus eigener Kraft nicht mal hypothetisch möglich ist.
Bedenkt dies, bevor Ihr diese Aktion nachher wieder als “undemokratisch” oder nicht “vernünftig” bezeichnet …
— besser_anonym_bleiben ... 13 Februar 2006, 22:52 #
Ähm, muss das nicht Hochschulfinanzierungsgerechtigkeistgesetz statt Hochschulfreiheitsgesetz heißen?? denn zum HFG hat der Senat nix beschlossen, nur zum potenziellen hfgg.
Bitte im Text oben ändern, danke.
Militant kann es ruhig werden, nur jetzt noch nicht, erst wenn die Nasen uns komplett ignorieren, und zumindest jetzt bewegen nsie sich noch leicht. noch etwas abwarten….aebr nciht zu lange :-)
— Geührentod droht 13 Februar 2006, 22:55 #
ja wo bitte bewegen sie sich denn? sie handeln herablassend, selbstgefällig und arrogant. was die machtverhältnisse angeht ist klar, dass wir keine chance durch verhandlungen haben. seid doch nicht naiv. vertrauen in unser vermeintlich demokratisches system, inklusive demokratischer streitkultur,ist absolut nicht berechtigt.
also ist es eine andere form von widerstand, derer wir uns bedienen müssen.
— ? 13 Februar 2006, 23:54 #
einer spaltung kann man leider nur schwer entgegenwirken. unter umständen ist es sogar besser, wenn sich derart “militante” freunde der sónne abspalten und somit nicht die eigentlichen akteure mit reinziehen (was sich zu einem gewissen grad natürlich nicht vermeiden lässt).
ein protest braucht aufmerksamkeit um wirksam zu sein, das ist ganz klar. doch ab einem gewissen punkt steigt die aufmerksamkeit und sinkt das gehör. diesen punkt haben die buttersäure-aktivisten ganz klar überschritten. das schadet dem ziel als solches leider.
aber lasst euch nicht unterkriegen! ich bin überzeugt vom friedlichen widerstand.
solidarische grüße aus kiel
— Tristan 14 Februar 2006, 01:54 #
@Tristan: Einer Spaltung kann mensch sehr einfach entgegenwirken, z.B. indem mensch nicht von “eigentlichen Akteuren” (wo bleiben im übrigen die Akteurinnen??) spricht, ohne den Hauch einer Ahnung zu haben. Oder indem mensch nicht für andere versucht, “das Ziel” zu definieren. Trotzdem aber alles Gute nach Kiel – insbesondere an Avanti und die Reste der AGiSH. Ob friedlich oder militant, wichtig ist der Widerstand.
— T. 14 Februar 2006, 06:41 #
Zurück zum Thema: habt ihr rausgekriegt, worüber sie eigentlich reden wollen?
— Jan 14 Februar 2006, 10:21 #
zum thema weiß ich leider auch nicht mehr – wollte nur sagen, dass es in dieser situation wohl eher schaden als gutes bewirken wird, sich auf ein destruktives niveau herabziehen zu lassen – so sehr ich mich auch hilflos fühle und maßlos wütend und ent-täuscht (ein erstaunlich klares wort für dieses gefühl) bin…
ich denke, mit solchen aktionen spielt man den z.zt. mächtigeren eher den ball noch zu.
durch ihr verhalten disqualifiziert sich die uni-leitung eh schon total – wo sind wir denn nur um himmelsodersonstwem willen gelandet, wenn sogar der öffentliche informationsfluss boykottiert wird, so durch das ausbremsen der mails über den verteiler und die schweigsamkeit.
ich hätte wirklich so viel rückgrat erwartet, dass wenigstens auf der seite mit den offiziellen uni-bekanntmachungen die uni sich offiziell und öffentlich zu ihren schwierigkeiten bekennt und vielleicht sogar ein bischen stolz ist darauf, dass es noch studierende gibt, die nicht wie die lemminge nur dem gott des mammons huldigen (by the way – vielleicht sollte man mal wieder Walter Benjamins “Der Kapitalismus als Religion betrachtet” rauskramen…).
Es gibt genug Repressionen und Unterdrückung – Freiheit und Demokratie sind nun mal mit Unbequemlichkeiten verbunden – Nachdenken tut schon mal weh und erzhitzt die Gemüter…
ehrlich gesagt machen mir diese Schweigsamkeit und Heuchelei… dieser Wunsch nach Scheuklappen und erzwungener Harmonie Angst…
— zoe 14 Februar 2006, 15:58 #
Richtig! Irgendwie hab ich den Eindruck,dass eure Aktion in der Öffentlichkeit gar nicht stattfindet,d.h. totgeschwiegen wird.
— Diddi 14 Februar 2006, 16:38 #
Das war doch schon 2005 so, dass Medien ganz selten mal über die wochenlangen deutschlandweiten Demos und Aktionen berichtet haben. An dem Tag, als 6 Rektorate besetzt wurden – nada.
Die Tagesschau hat, glaube ich, einmal über genau eine Demo berichtet.
Läuft halt alles noch dem Motto: Studiengebühren sind beschlossene Sache, also konflikt nicht unnötig anheizen, o.ä. Und selbst in der taz äusserten sich Journalisten fast nur in der Richtung, selbst wenn sie Sympathie hatten.
Ist der Studentenprotest nicht relevant genug? Wenn ich mir so ansehe, was sonst von den Zeitungs- und TV-Redaktionen für relevant und sendewürdig gehalten wird muss ich mich schon sehr wundern.
Woher kommts? Nicht nur, aber auch daher, dass die öffentlichen Medien durch Parteiproporz a la 50% SPD, 50% CDU besetzt sind, und die Berichterstattung darunterleidet.
Und die privaten? Gehören Medienkonzernen und Mogulen, wie z.B. Bertelsmann; und Bertelsmann -> Bertelsmann Stiftung -> Centrum für Hochschulentwicklung -> Studiengebühren.
Die taz wiederum folgt tendenziell offenkundig den Grünen, bei denen ja (ausser im Wahlkampf) der ökoneoliberale Realoflügel zumindest bundesweit derzeit weiterhin das Sagen hat.
Der SPIEGEL war mal bis in die 80er als kritisches Organ berühmt, machte jedoch dann spätestens in den 90ern unter Stefan Aust und Gabor Steingart eine neliberal-konservative Wende, teils wegen FOCUS, teils, weil dies nun der Mainstream wurde, an den man Blatt und ANzeigen verkauft. Wenn man den UNISpiegel bei Spiegel Online liest, dann sieht man, was die Neocons von den Studenten wollen (fleissige Studenten machen irre witzige tolle Praktika, gründen irre innovative Unternehmen, sammeln Geld für ihre Hochschule (!) und finden Studiengebühren ganz dufte oder vernünftig.
Der ganze Summer of Resistance fand im UNISpiegel – bis auf ein, zwei verniedlichende oder “lustige” irreführende Artikel – nicht statt. Gabor Steingart hatte sich übrigens im zuge der Kontroversen um Meinungsmanipulation vor den Bundestagswahlen offen dazu bekannt, Merkel und CDU mit dem Spiegel zu unterstützen.
Aber es ist auf jeden Fall enttäuschend, wenn man betrachtet, wie der deutschlandweite monatelange Protest in Medien einfach, bewusst, totgeschwiegen wird, und dass teils von Leuten, die ihre eigene Karriere auf die eine oder andere Weise den 68er-Studentenunruhen verdanken.
de.wikipedia.org/wiki/68er
Aber wenn dann irgendein Heissporn glaubt, mit Buttersäure die Verhandlungsposition der Studenten stärken zu können, hilft das auch nicht so sehr weiter. Kühlen Kopf behalten, strategisch denken. Macht doch irgendwas friedliches sonderbares oder spektakuläres, Guinnessbuchbässiges, aber auch bitterböses, an dem selbst RTL-News nicht vorbeikann. Nehmt Kontakt zu Leuten auf, die Lokalbeiträge für TV-Sender machen, und zu Journalisten. Schreibt eine gut geschriebene aktuelle Pressemitteilung. Und anderswo kann man ja Soliaktionen machen.
Charlotte Roche hat z.B., als sie bei Harald schmidt sass, einen Anstecker mit “Bildblog.de” angehabt. Mehr nicht. Kleine Tat, grosse Wirkung, so geht das. Die Titanic hat auch viele schöne Aktionen gemacht, die grosse Aufmerksamkeit erregten. Die Fantasie an die Macht, haben sie 68 in paris an die Wände geschrieben, und die haben damals ihre Forderungen durchgesetzt…Pure Vernunft kann sowieso niemals siegen.
— Invisible Students 14 Februar 2006, 20:44 #
zu dem letzten Beitrag
leider liegt es nicht an der fehlenden Phantasie das man nicht an die Massenöffentlichkeit kommt. Die Idee durch Unterhaltungssendungen auf sich Aufmerksam zu machen finde ich im prinzip schön, nur die Sache betrifft viele Leute gleichzeitig an die vielleicht anders drüber denken. Aussedem die Aufmerksamkeit ist ein flüchtiges Gut…
— Lisa 14 Februar 2006, 21:48 #
http://de.indymedia.org/2006/02/138976.shtml
wo gibts das erwähnte neue flugblatt?
— tobi 15 Februar 2006, 07:37 #
Damit ist vermutlich das im Kommentar Nr. 6 eingebundene Schreiben gemeint.
Dieses Schreiben ist kein offizielles Flugpblatt, sondern ein Bekennerschreiben, mit dem die Gruppe der Besetzer nichts zu tun hat! Ebensowenig waren wir an dem Buttersäureanschlag beteiligt.
— Fabian 15 Februar 2006, 13:23 #